Thrombose (tiefe Venenthrombose)
Ein Blutgerinnsel in einer tiefen Beinvene – das klingt harmlos, kann aber lebensgefährlich werden, wenn sich das Gerinnsel löst und in die Lunge gelangt. Das Risiko steigt mit dem Alter, nach Operationen und bei Bettlägerigkeit. Diese Seite erklärt, woran man eine Thrombose erkennt, wann es ein Notfall ist, wie behandelt wird und was Angehörige und Pflegekräfte tun können. Wie man einer Thrombose vorbeugt, steht ausführlich unter Thromboseprophylaxe.
Was ist eine Thrombose?
Bei einer tiefen Venenthrombose bildet sich ein Blutgerinnsel in einer der größeren Venen, die tief in den Muskelschichten liegen – meist im Bein oder Becken. Das Gerinnsel behindert den Rückfluss des Blutes zum Herzen.
- Die große Gefahr: Löst sich das Gerinnsel von der Venenwand, kann es mit dem Blutstrom in die Lunge gelangen und dort ein Gefäß verschließen – eine Lungenembolie
- Die Spätfolge: Hat die Thrombose Venenwände oder Venenklappen beschädigt, kann ein postthrombotisches Syndrom entstehen – ein dauerhaft schweres, geschwollenes Bein
Wer gefährdet ist
- Alter über 60 Jahre
- Längere Bettruhe oder wenig Bewegung, etwa nach einem Sturz oder bei Krankheit
- Größere Operationen, besonders an Hüfte und Knie
- Eine frühere Thrombose
- Eine Krebserkrankung und ihre Behandlung
- Außerdem häufig im Alter: Herzschwäche. Die britische Risikobewertung zur NICE-Leitlinie nennt auch Flüssigkeitsmangel als Risikofaktor; in den deutschen Leitlinien ist er nicht eigens aufgeführt
Meist kommen mehrere Faktoren zusammen – deshalb ist die Zeit nach einem Krankenhausaufenthalt oder einer Operation besonders heikel.
Warnzeichen einer Beinvenenthrombose
- Schmerzen im Bein – oft ziehend oder krampfartig in der Wade, manchmal großflächig bis in die Hüfte
- Schwellung und Spannungsgefühl, meist nur an einem Bein
- Warme, gerötete oder bläulich verfärbte Haut
Die Zeichen können auch schwach sein oder ganz fehlen. Ein neu geschwollenes, schmerzendes Bein – vor allem nach Operation oder Bettlägerigkeit – gehört noch am selben Tag ärztlich abgeklärt. Bis dahin das Bein nicht massieren.
Anzeichen sind plötzliche schwere Atemnot, Brustschmerzen, Husten – vor allem mit blutigem Auswurf –, Herzrasen, Schwindel oder Benommenheit bis zur Ohnmacht und starkes Angstgefühl.
Bei schwerer Atemnot, Brustschmerzen oder blutigem Husten sofort den Notruf 112 wählen. Eine schwere Lungenembolie kann lebensbedrohlich sein und muss so schnell wie möglich im Krankenhaus behandelt werden. Das Risiko steigt mit dem Alter: Ab 80 Jahren erkranken jedes Jahr etwa 10 von 1.000 Menschen.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Jeder Verdacht auf eine Venenthrombose soll laut Leitlinie zeitnah so weit abgeklärt werden, dass über die Behandlung entschieden werden kann.
- Einschätzung der Wahrscheinlichkeit: Der Arzt fragt nach Beschwerden und Risiken und untersucht die Beine
- Bluttest (D-Dimere): Ein unauffälliger Wert macht eine Thrombose bei niedriger Wahrscheinlichkeit sehr unwahrscheinlich. Ein erhöhter Wert beweist sie nicht – er ist im Alter, nach Operationen oder bei Entzündungen oft erhöht
- Ultraschall der Beinvenen: zeigt das Gerinnsel direkt
Behandlung
- Gerinnungshemmer: Sie verhindern, dass das Gerinnsel wächst und sich neue bilden. Den Thrombus auflösen muss der Körper selbst. Behandelt wird meist 3 bis 6 Monate lang, bei manchen Menschen auch länger. Mehr zu den Mitteln unter Leben mit Blutverdünnern
- Keine Bettruhe: Unter einer richtig durchgeführten Gerinnungshemmung ist Ruhigstellen kein Therapieprinzip mehr. Menschen mit einer Venenthrombose sollen nicht im Bett bleiben – es sei denn, um starke Schmerzen zu lindern. Bewegung ist ausdrücklich erwünscht
- Kompression: Kompressionsstrümpfe oder -verbände lindern Schwellung und Schmerzen. Fachgesellschaften empfehlen, damit gleich nach der Diagnose zu beginnen. Ob sie einem postthrombotischen Syndrom vorbeugen, zeigen Studien bisher nicht einheitlich
- Oft zu Hause: Viele Menschen mit einer Beinvenenthrombose können ambulant behandelt werden. Ob das passt, entscheidet der Arzt
Nach der Thrombose: das postthrombotische Syndrom
In Studien bekamen etwa 20 bis 50 von 100 Menschen nach einer tiefen Beinvenenthrombose Beschwerden, die bleiben: Schwellungen an Knöchel und Unterschenkel, Schwere- und Spannungsgefühl, Schmerzen, manchmal Hautveränderungen bis zu offenen Stellen.
- Bewegung: Beim Gehen übt die Wadenmuskulatur Druck auf die Venen aus und hilft dem Blut zurück zum Herzen
- Hautpflege mit rückfettenden Produkten lindert Juckreiz und schützt die Haut
- Kompressionsstrümpfe werden oft verordnet; wie gut sie wirken, ist nicht abschließend geklärt
Was Angehörige und Pflegende tun können
- Bewegung fördern, besonders nach einem Krankenhausaufenthalt: aufstehen, ein paar Schritte gehen, im Sitzen Fußkreisen und die Zehen anziehen
- Beine anschauen: Ist ein Bein dicker, wärmer oder schmerzt es neu? Dann noch am selben Tag zum Arzt
- Die Zeichen einer Lungenembolie kennen und bei plötzlicher Atemnot oder Brustschmerz sofort 112 wählen
- Bei der Einnahme der Gerinnungshemmer helfen und an Kontrolltermine erinnern
- Kompressionsstrümpfe morgens anziehen helfen – Anziehhilfen erleichtern das sehr
Thrombose in der Pflege – worauf Pflegekräfte achten
- Risiko einschätzen bei Immobilität, nach Operationen, bei Krebs, Herzschwäche und früherer Thrombose – und die Prophylaxe planen. Wie, steht unter Thromboseprophylaxe
- Beine täglich beobachten: einseitige Schwellung, Schmerz, Überwärmung, Verfärbung – im Seitenvergleich
- Bei Verdacht: nicht massieren, sofort an den Arzt melden und das weitere Vorgehen ärztlich festlegen lassen
- Nach der Diagnose mobilisieren: Unter laufender Gerinnungshemmung ist Bewegung erwünscht, Bettruhe nur zur Schmerzlinderung
- Kompression korrekt anlegen: passende Größe, faltenfrei, vorher Durchblutung und Haut prüfen – bei fortgeschrittener arterieller Durchblutungsstörung kann Kompression schaden, im Zweifel vorher ärztlich abklären
- Blutungszeichen unter Gerinnungshemmern beobachten und melden
- Lungenembolie-Zeichen kennen: plötzliche Atemnot, Brustschmerz, Herzrasen, Unruhe – sofort Notruf
Videos zum Thema
- Tiefe Venenthrombose kurz und leicht erklärt (2026)
- Thrombose leicht erklärt (2017)
- Thrombosestrümpfe kurz und leicht erklärt (2022)
- Medizinische Kompressionsstrümpfe kurz erklärt (2025, Kurzvideo)
Die Videos vor 2026 sind älter als diese Seite; einzelne Angaben darin können überholt sein. Maßgeblich ist der Text hier.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine Thrombose im Bein?
Typisch sind Schmerzen im Bein, oft ziehend oder krampfartig in der Wade, eine Schwellung mit Spannungsgefühl und warme, gerötete oder bläuliche Haut – meist nur an einem Bein. Die Zeichen können auch schwach sein. Ein neu geschwollenes, schmerzendes Bein gehört noch am selben Tag ärztlich abgeklärt.
Was sind die Anzeichen einer Lungenembolie?
Plötzliche schwere Atemnot, Brustschmerzen, Husten – vor allem mit blutigem Auswurf –, Herzrasen, Schwindel oder Ohnmacht und starkes Angstgefühl. Dann sofort den Notruf 112 wählen.
Muss man bei einer Thrombose im Bett bleiben?
Nein. Unter einer richtig durchgeführten Behandlung mit Gerinnungshemmern ist Bettruhe kein Therapieprinzip mehr. Menschen mit einer Venenthrombose sollen nicht ruhiggestellt werden, außer um starke Schmerzen zu lindern. Bewegung ist erwünscht.
Wie lange muss man nach einer Thrombose Blutverdünner nehmen?
Meist 3 bis 6 Monate, bei manchen Menschen auch länger – etwa nach einer wiederholten Thrombose oder bei bleibendem Risiko. Die Dauer legt der Arzt fest. Nicht vorzeitig absetzen, auch wenn das Bein nicht mehr wehtut.
Helfen Kompressionsstrümpfe nach einer Thrombose?
Sie lindern Schwellung und Schmerzen, und Fachgesellschaften empfehlen, gleich nach der Diagnose damit zu beginnen. Ob sie einem postthrombotischen Syndrom vorbeugen, zeigen Studien bisher nicht einheitlich. Wie lange sie getragen werden, legt der Arzt fest.
Ist ein erhöhter D-Dimer-Wert ein Beweis für eine Thrombose?
Nein. D-Dimere sind im Alter, nach Operationen oder bei Entzündungen oft erhöht. Ein unauffälliger Wert macht eine Thrombose bei niedriger Wahrscheinlichkeit aber sehr unwahrscheinlich. Sicherheit bringt meist der Ultraschall der Beinvenen.
Passend dazu
Thromboseprophylaxe · Leben mit Blutverdünnern · Die Lunge · Austrocknung · Krankenhaus · Hilfsmittel
Quellen
Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.
- S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie – Deutsche Gesellschaft für Angiologie u. a., AWMF-Register 065-002, 2023
- Klug entscheiden: Immobilisation bei Venenthrombose – Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
- Tiefe Venenthrombose (TVT) – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
- Lungenembolie – IQWiG
- Beschwerden nach einer Thrombose (Postthrombotisches Syndrom) – IQWiG
- S2k-Leitlinie Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten – Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie u. a., AWMF-Register 037-005, 2026
- Risk assessment for venous thromboembolism (VTE) – Department of Health (England), Risikobewertungsbogen zur NICE-Leitlinie NG89; nennt Flüssigkeitsmangel (Dehydration) als Thrombose-Risikofaktor
Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen